Pflegekraft mit Stethoskop
Recruiting

Pflegekräfte gewinnen: Warum Jobbörsen allein heute nicht mehr ausreichen

9. April 202511 Min. Lesezeit

Wer heute Pflegekräfte gewinnen will, steht vor einer unangenehmen Wahrheit: Die meisten Einrichtungen machen noch immer mehr vom Gleichen und hoffen dabei auf ein anderes Ergebnis.

Der Pflegemarkt ist längst kein Markt mehr, in dem Sichtbarkeit auf einer Jobbörse automatisch zu passenden Bewerbungen führt. Er ist ein Engpassmarkt. Und Engpassmärkte bestrafen Standardlogik.

Der demografische Druck wächst

5,7 Mio.

Pflegebedürftige Ende 2023

+730.000 seit 2021

7,6 Mio.

Prognose bis 2055

Quelle: Destatis

86% der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt. Der Personalbedarf verteilt sich längst weit über stationäre Einrichtungen hinaus.

Der zentrale Denkfehler

Jobbörsen erreichen vor allem Menschen, die bereits entschieden haben, dass sie wechseln wollen. Diese Zielgruppe gibt es - aber sie ist nur ein Teil des relevanten Marktes.

Der größere, oft interessantere Teil besteht aus Menschen, die nicht akut suchen, aber innerlich längst nicht mehr fest gebunden sind:

MüdeGenervtEnttäuschtOffen für Besseres

Die meisten Einrichtungen verwechseln Suchbereitschaft mit Wechseloffenheit.

Suchbereite

Öffnen Jobbörsen und suchen aktiv

Wechseloffene

Scrollen auf Social Media, klicken auf Hinweise im richtigen Moment

Die bessere Frage

„Wie machen wir uns für wechseloffene Pflegekräfte relevant, bevor sie aktiv suchen?"

Diese Frage verändert alles. Sie verschiebt den Fokus von der Veröffentlichung zur Wahrnehmung. Von der Ausschreibung zur Anschlussfähigkeit.

Ein System mit mehreren Ebenen

1

Sichtbarkeit außerhalb klassischer Suchumfelder

Dort, wo Menschen ohnehin digitale Aufmerksamkeit verbringen

2

Qualität der Botschaft

Konkrete Entscheidungsgründe statt allgemeine Benefits

3

Der Prozess nach dem ersten Klick

Mobile, klar, direkt - ohne bürokratischen Ballast

Die Motivlage ist individuell

Verlässlichere Dienstpläne
Kleineres Team statt Kliniksystem
Erreichbare Leitung
Menschlich getragene Pflege

Gute Recruiting-Kommunikation muss diese Motive verstehen. Jobbörsen allein bilden sie selten präzise genug ab.

Zukunftsperspektive

280.000 - 690.000

fehlende Pflegekräfte bis 2049

2,15 Mio.

Gesamtbedarf an Pflegekräften

Recruiting in der Pflege ist kein saisonales Problem. Es ist eine Daueraufgabe in einem Markt, der sich weiter zuspitzt.

Was daraus praktisch folgt

1

Jobbörsen bleiben sinnvoll, aber sie sind ein Kanal unter mehreren.

2

Gute Personalgewinnung beginnt früher als bei der aktiven Suche.

3

Es braucht eine Anschlusslogik aus Botschaft, Landingpage und mobiler Bewerbung.

4

Konkret zeigen, warum der Arbeitsalltag besser ist - keine Phrasen.

5

Recruiting ist heute Markenarbeit unter Wettbewerbsdruck.

Jobbörsen allein reichen nicht mehr. Wer es versteht, baut aus Recruiting ein System, das dem Markt gewachsen ist.

Häufige Fragen zur Pflegekräftegewinnung

Warum reichen Jobbörsen allein nicht mehr aus?
Jobbörsen erreichen nur aktiv suchende Kandidaten. Der größere Teil qualifizierter Pflegekräfte ist beschäftigt und nicht auf Jobportalen unterwegs. Sie sind wechseloffen, aber nicht suchbereit. Moderne Recruiting-Strategien müssen diese passive Zielgruppe über andere Kanäle erreichen.
Was ist der Unterschied zwischen Suchbereitschaft und Wechseloffenheit?
Suchbereite Menschen öffnen aktiv Jobbörsen und suchen gezielt nach Stellen. Wechseloffene Menschen sind mit ihrem Job unzufrieden, aber nicht aktiv auf der Suche. Sie reagieren auf Impulse in Social Media oder durch persönliche Empfehlungen. Letztere sind oft die besseren Kandidaten.
Was motiviert Pflegekräfte zum Arbeitgeberwechsel?
Die häufigsten Wechselmotive sind: verlässlichere Dienstpläne, bessere Führung und Erreichbarkeit der Leitung, ein kleineres oder stabileres Team, mehr Wertschätzung und eine menschlichere Arbeitskultur. Gehalt allein ist selten der ausschlaggebende Faktor.
Wie viele Pflegekräfte werden in Zukunft gebraucht?
Bis 2049 werden laut Destatis 2,15 Millionen Pflegekräfte benötigt. Es könnten zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte fehlen. Besonders stark wächst der Bedarf in ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeeinrichtungen.
Wie baue ich ein erfolgreiches Recruiting-System auf?
Ein gutes System hat drei Ebenen: 1. Sichtbarkeit außerhalb von Jobbörsen (Social Media, Google), 2. Qualität der Botschaft mit konkreten Entscheidungsgründen statt Phrasen, 3. Ein einfacher Prozess nach dem ersten Klick mit mobiler Kurzbewerbung statt komplizierter Formulare.
Frank Hüttemann

Geschrieben von

Frank Hüttemann

Gründer von Pflegejobwerk. Über 30 Jahre Erfahrung in Marketing und Recruiting - davon viele Jahre spezialisiert auf die Pflegebranche.

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